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Faltenarten und ihre Entstehung: Ein dermatologischer Überblick

  • Autorenbild: Verbraucher Radar
    Verbraucher Radar
  • 19. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen



Falten sind nicht gleich Falten – ihre Entstehung folgt unterschiedlichen Mechanismen, und entsprechend unterscheiden sich auch die Behandlungsansätze. Dieser Artikel erklärt die verschiedenen Faltentypen aus dermatologischer Perspektive und beleuchtet die zugrundeliegenden physiologischen Prozesse.


Mimische Falten: Die Spuren der Emotion


Mimische Falten, auch dynamische Falten genannt, entstehen durch die wiederholte Kontraktion der Gesichtsmuskulatur. Jedes Lächeln, jedes Stirnrunzeln, jedes Zusammenkneifen der Augen hinterlässt eine winzige Spur in der Haut. In jungen Jahren glättet sich die elastische Haut nach der Muskelbewegung sofort wieder. Mit zunehmendem Alter und abnehmender Hautelastizität bleiben die Linien jedoch immer länger bestehen, bis sie schließlich auch in entspanntem Zustand sichtbar sind.

Die typischen Lokalisationen mimischer Falten spiegeln die individuelle Mimik wider. Horizontale Stirnfalten entstehen durch das Hochziehen der Augenbrauen, die vertikale Zornesfalte zwischen den Brauen durch konzentriertes Zusammenziehen. Krähenfüße an den äußeren Augenwinkeln sind die Folge jahrelangen Lächelns und Blinzelns. Periorale Fältchen um den Mund herum resultieren aus Sprechbewegungen und können durch Rauchen verstärkt werden.


Die Behandlung mimischer Falten ist insofern eine Herausforderung, als der Entstehungsmechanismus – die Muskelkontraktion – weiterhin aktiv ist. Topische Pflegeprodukte können den Hautzustand verbessern und feine Linien mildern, erreichen aber nicht die tieferliegenden Muskeln. Peptide, die eine muskelentspannende Wirkung versprechen, zeigen in Studien bestenfalls moderate Effekte, die nicht mit ästhetischen Behandlungen vergleichbar sind.

Prävention spielt bei mimischen Falten eine wichtige Rolle. UV-Schutz erhält die Hautelastizität länger, sodass sich die Haut nach Muskelbewegungen besser regenerieren kann. Auch die Vermeidung übertriebener Mimik kann helfen – eine Erkenntnis, die allerdings im Alltag schwer umzusetzen ist. Sonnenbrillen reduzieren immerhin das Zusammenkneifen der Augen bei hellem Licht.


Statische Falten: Wenn die Struktur nachgibt


Statische Falten sind auch im entspannten Zustand sichtbar und resultieren aus dem Verlust von Strukturproteinen und Volumen. Sie entstehen, wenn die Haut buchstäblich nicht mehr genug Substanz hat, um straff zu bleiben. Der Abbau von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure sowie der Verlust von subkutanem Fettgewebe führen dazu, dass die Haut erschlafft und Falten wirft wie ein zu großes Kleidungsstück.

Die Nasolabialfalte, die von den Nasenflügeln zum Mundwinkel verläuft, ist ein klassisches Beispiel für eine statische Falte. Sie entsteht durch den Volumenverlust im mittleren Gesichtsbereich und das Herabsinken der Wangenhaut. Ähnlich verhält es sich mit den Marionettenfalten, die von den Mundwinkeln zum Kinn verlaufen und dem Gesicht einen traurigen Ausdruck verleihen können. Auch die Erschlaffung der Haut am Hals und unter dem Kinn gehört in diese Kategorie.


Topische Behandlungen können bei statischen Falten unterstützend wirken, aber keine Wunder vollbringen. Retinoide können die Kollagenproduktion stimulieren und so einen gewissen straffenden Effekt erzielen. Peptide, die die Matrixprotein-Synthese anregen, arbeiten in dieselbe Richtung. Hyaluronsäure kann die Haut temporär aufpolstern und dadurch Falten optisch mildern. Der Volumenaufbau durch Hyaluronsäure-Seren ist jedoch nicht mit dem Effekt einer Filler-Behandlung zu vergleichen.

Ein realistischer Ansatz bei statischen Falten kombiniert topische Pflege mit Akzeptanz. Die strukturellen Veränderungen, die zu diesen Falten führen, sind zu einem gewissen Grad Teil des natürlichen Alterungsprozesses. Gute Hautpflege kann den Prozess verlangsamen und das Erscheinungsbild verbessern, aber nicht vollständig aufhalten.


Knitterfältchen: Die Folge chronischer Trockenheit


Knitterfältchen, auch Trockenheitsfältchen genannt, entstehen primär durch Feuchtigkeitsmangel in der Haut. Sie erscheinen als feine, netzartige Linien und betreffen vor allem die dünnere Haut um die Augen und an den Wangen. Anders als tiefe Falten sind Knitterfältchen oft reversibel – sie verschwinden oder mildern sich deutlich, wenn die Haut wieder ausreichend hydratisiert wird.


Der Mechanismus ist vergleichsweise einfach: Dehydrierte Haut verliert an Volumen und zieht sich zusammen, ähnlich wie ein Schwamm, dem Wasser entzogen wird. Die Oberfläche wird uneben und zeigt feine Fältchen. Die Ursachen für Hautrockenheit sind vielfältig: Umweltfaktoren wie trockene Heizungsluft oder klimatisierte Räume, aggressive Reinigungsprodukte, die die Hautbarriere schädigen, oder einfach unzureichende Feuchtigkeitspflege.


Mit zunehmendem Alter werden Knitterfältchen häufiger, da die Haut weniger Feuchtigkeit bindet und die Talgproduktion nachlässt. Die natürliche Schutzschicht der Haut wird dünner, und Wasser verdunstet leichter. Menschen mit ohnehin trockener Haut oder bestimmten Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis sind besonders betroffen.


Die gute Nachricht: Knitterfältchen sind der Faltentyp, der am besten auf topische Pflege anspricht. Feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure, Glycerin oder Urea können sichtbare Verbesserungen erzielen, oft schon nach wenigen Tagen konsequenter Anwendung. Okklusiv wirkende Substanzen wie Squalan oder Sheabutter reduzieren den transepidermalen Wasserverlust und halten die Feuchtigkeit in der Haut. Eine intakte Hautbarriere ist der Schlüssel zur dauerhaften Verbesserung.


Schlaffalten: Wenn die Nachtruhe Spuren hinterlässt


Schlaffalten sind ein oft unterschätzter Faltentyp. Sie entstehen durch den mechanischen Druck, den das Kopfkissen über Stunden auf das Gesicht ausübt. Während des Schlafs ist das Gewebe entspannt und besonders formbar – die Position, in der man schläft, prägt sich buchstäblich in die Haut ein. In jungen Jahren verschwinden diese Abdrücke schnell nach dem Aufstehen. Mit zunehmendem Alter und nachlassender Hautelastizität halten sie länger an und können sich schließlich zu permanenten Falten entwickeln.


Typische Lokalisationen von Schlaffalten sind die Wangen, die Seite der Stirn und die Dekolleté-Region. Die Asymmetrie ist oft ein Hinweis: Wer bevorzugt auf einer Seite schläft, entwickelt dort häufiger und stärker ausgeprägte Falten. Auch vertikale Linien auf der Brust, die sogenannten Cleavage-Falten, entstehen oft durch die Schlafposition, besonders bei Seitenschläfern.


Die Behandlung von Schlaffalten beginnt bei der Prävention. Die Umstellung auf Rückenlage kann helfen, ist aber für viele Menschen schwer durchzuhalten. Spezielle Kissen, die das Gesicht entlasten, oder Seidenkissenbezüge, die weniger Reibung verursachen, können die mechanische Belastung reduzieren. Topische Behandlungen folgen denselben Prinzipien wie bei anderen Faltentypen: Retinoide zur Kollagenstimulation, Feuchtigkeitspflege für Elastizität, Antioxidantien zum Schutz.

Interessanterweise werden Schlaffalten in der dermatologischen Literatur oft vernachlässigt, obwohl sie einen erheblichen Anteil an der sichtbaren Hautalterung haben können. Eine Studie schätzte, dass wir etwa ein Drittel unseres Lebens schlafend verbringen – das sind Jahrzehnte an mechanischer Belastung für die Gesichtshaut.


Gravitationsbedingte Falten: Wenn die Schwerkraft gewinnt


Mit zunehmendem Alter verliert das Gewebe an Festigkeit, und die Schwerkraft beginnt ihre Arbeit. Gravitationsbedingte Falten und Hauterschlaffung sind die Folge dieses langsamen, aber unaufhaltsamen Prozesses. Das Gesicht verändert seine Form: Die Wangen verlieren an Volumen und sinken ab, das Unterkieferkontur wird weicher, und die Haut am Hals erschlafft.


Der Mechanismus ist multifaktoriell. Der Abbau von Kollagen und Elastin schwächt das strukturelle Gerüst der Haut. Der Verlust von subkutanem Fettgewebe, besonders in der Mittelgesichtsregion, entzieht der Haut die Unterlage, auf der sie aufliegt. Gleichzeitig lockern sich die bindegewebigen Aufhängebänder des Gesichts, die sogenannten Retaining Ligaments, die die Gesichtsweichteile an den Knochen verankern. Das Resultat ist ein allmähliches Herabsinken der gesamten Gesichtsstruktur.


Gravitationsbedingte Veränderungen sind der Faltentyp, der am wenigsten auf topische Behandlungen anspricht. Die zugrundeliegenden Prozesse – Volumenverlust und Gewebeerschlaffung – lassen sich durch aufgetragene Cremes nur marginal beeinflussen. Was topische Pflege leisten kann, ist die Verbesserung der Hautqualität: Eine gut hydratisierte, elastische Haut mit intakter Barriere erscheint straffer und glatter, auch wenn die tieferliegenden Strukturen unverändert bleiben.


Präventiv ist auch hier UV-Schutz der wichtigste Faktor. Kollagen und Elastin werden durch UV-Strahlung beschleunigt abgebaut, und der Prozess der Elastose – die Degeneration elastischer Fasern – ist primär eine Folge von Sonnenschäden. Ein konsequenter Lichtschutz über Jahrzehnte kann den gravitationsbedingten Veränderungen nicht vollständig vorbeugen, aber das Ausmaß erheblich begrenzen.

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